Geschichte der Schule Kielortallee

Die Geschichte der Schule Kielortallee

Verschwunden sind die Sprossenfenster und die Türmchen, ebenso wie manch anderer „unnützer Zierrat“. Ganz despektierlich sind die hohen Wohnhäuser näher und näher gerückt, haben Wiesen und Weiden verdrängt und den Blick immer mehr eingeengt. Und doch muss noch etwas übrig geblieben sein von der „reizvollen Anlage – einem stumpfwinklig sich öffnenden Zweiflügelbau mit turmbekronten Treppenhaus gleichsam als Scharnier in der Mitte und einer torhausähnlichen Schaufassade mit einem Sprenggiebelportal zur Straße hin …“,* wenn ein Erstklässler mit Blick auf eben dieses turmbekronte Treppenhaus fragt: „War das mal ein Schloss?“.

Nein, seit dieses Gebäude im Jahre 1905 seiner Zweckbestimmung übergeben wurde, diente es als Schule, sieht man von der kurzen Zeitspanne von 1947 bis 1948 einmal ab, in der die Räumlichkeiten notgedrungen als Lazarett umfunktioniert wurden.

Die geplante Offenheit zur Straße hin – der Schulhof befand sich vor dem Gebäude – galt ohnehin nur für einen Teil der Schüler, wurde er doch bald durch einen hohen Bretterzaun unterteilt, der Jungen und Mädchen streng voneinander trennte. Damit wurde für die Pause vollzogen, was für den Unterricht selbstverständlich war. Es gab eine Jungen- und eine Mädchenschule mit verschiedenen Eingängen, Räumen, Schulleitung und Lehrerkollegium. Erst 1969 wurden die beiden Schulen zusammengelegt.

Es ist nicht bekannt, wann der Bretterzaun verschwand, aber mit der Offenheit zur Straße hin war es doch vorbei, als für die im Krieg zerstörte Turnhalle im Jahre 1959 die Mehrzweck- und Turnhalle gebaut wurde.

Eine weitere einschneidende Veränderung für unsere Schule ergab sich 1967, als die Oberstufe, d.h. die Klassen 7 – 9 an andere Schulen abgegeben wurden. Und als dann ab Sommer 1983 die Beobachtungsstufe folgte, verblieben die Klassen 1 – 4 sowie die inzwischen eingerichteten Vorschulklassen für Fünfjährige (1978).

Seit 1986 gibt es an unserer Schule in jedem Jahrgang eine Integrationsklasse, in der behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden.

Veränderung von Unterrichtsformen und -inhalten zeigten Auswirkung auf die Gestaltung des Schulgebäudes, am deutlichsten zu erkennen an der Einrichtung von Gruppenräumen.

Unser jüngster Beitrag zur Chronik der Schule ist die Einführung der Verlässlichen Halbtagsgrundschule (VHGS) im Schuljahr 1999/2000.
Im Sommer 2005 haben wir unser 100jähriges Bestehen gefeiert.

Seit dem Jahr 2006 planen wir die Grundsanierung der Schule. Verschiedene politische Brüche (Primarschule, Einwendungen aus der Nachbarschaft) haben dazu geführt, dass sich die Planungen scheinbar endlos hingezogen haben. Aber: was lange währt, wird endlich gut. Nun gehts es los, der Abriss der Mehrzweck- und Turnhalle hat im Jahr 2015 begonnen. Im Juli 2015 verlassen wir das Gebäude, um es endgültig den Handwerkern zu überlassen. Geplante Fertigstellung: Dezember 2016. Jede Wette: die erste Hamburger Baustelle, die wie geplant fertig wird!

Denkste. Es hat doch ein bisschen länger gedauert. Im Sommer 2017 konnten wir wieder in unser saniertes Gebäude einziehen. Umso schöner ist es geworden! Behutsam wurde der Altbau grundsaniert und um einen umfangreichen Neubau (8 Klassenräume, Turnhalle und Aula) erweitert.

* Zitat aus: Eimsbütteler Facetten 1894-1994. Einblick in 100 Jahre Stadtteilgeschichte. Sielke Salomon. Hrsg. Galerie Morgenland. 3. Auflage 1998